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  • Sandra Koch | Beetkultur

Blind-Date mit einem Song | Edition #7 | Papa Was A Rolling Stone

Was kommt dabei heraus, wenn sich 16 BloggerInnen zu einem festlegten Song Gedanken machen und die entstandenen Beiträge zeitgleich ins Internet stellen?

Unter dem Motto „Papa was a Rolling Stone“ hat jede/r von uns einen Beitrag zu dem gleichnamigen Song von The Undisputed Truth geschrieben.

Wir wissen nicht, was die Anderen geschrieben haben, es gab keine inhaltliche Abstimmung und wir sind sehr gespannt auf das Ergebnis!


Mit dabei sind:

Gartenbaukunst, Beetkultur (icke), Der kleine Horrorgarten, Cardamonchai, Rienmakäfer, Garteneuphorie, Garteninspektor, Faun & Farn, Laubenhausmädchen, Naturgartenideen, Ein Stück Arbeit, Herwoodenheart (Instagram), Kistengrün, WirGartenkinder, Wohnungsgarten und Berlingarten. Viel Spaß beim Lesen!


Mein Papa war alles andere als ein „rollin‘ stone“, dass können wir ganz klar so festhalten. Er war Familienvater und maximal berufsbedingt unterwegs. Sich rumtreiben war sein Ding nicht. Gern unterwegs war er auch nie, nur aus Gründen. Er war oft nur wochenends zu Hause, unter der Woche war er eben auf auf Montage. Wenn ich Papa sagte zu ihm, fand er das damals kindisch.


Er liebte übrigens die Rolling Stones. Überhaupt liebte er Musik. Seine Liebe dazu gab er mir schon ganz früh und selbstverständlich mit. Rolling Stones, Queen, Pink Floyd, Beatles, Status Quo, Muddy Waters, Prince, Led Zeppelin, Tina Turner, Springsteen - alles Bands und Künstler mit starken Stimmen - deren Musik ich gemeinsam mit der Muttermilch aufnahm. Aber nur dazu, nicht mit ihr, denn meine Mom hingegen hat nicht mehr Ahnung von Musik, als was dafür übrig. Was das anging, hatte er eindeutig den Hut auf.


Wherever he laid his hat was his home

And when he died, all he left us was alone


Oft denke ich in diesen Tagen an ihn, an seine „Montage-Tage“. Er brachte mir von dort nämlich hin und wieder, wenn Zeit und Wetter es zuließen, schuhkartonweise Mai- und oder Junikäfer mit. Eingesammelt im Dorf. Wo sie offenbar im Frühsommer damals haufenweise vorkamen. Die ich dann wieder freiließ, in der Stadt. Aus heutiger Sicht vielleicht fragwürdig. Damals war das ein Highlight für mich. Wir waren möglicherweise von 1984 - 1989 für die größten Käferumsiedelungsaktionen der Menschheitsgeschichte verantwortlich.


Am 21. Juni 2017 geriet ich, beiläufig bemerkt, mit meiner Freundin Wiebke, in einen Schwarm Junikäfer bei uns im Garten. Das war eine Erfahrung, kann ich Euch sagen.

Ich habe mir oft vorgestellt, dass mein Vater, hätten wir nicht in diesem seltsamen Land DDR gelebt, ein Musiker gewesen wäre. Ein Schlagzeuger vielleicht. Er trommelte kunstvoll, wie ein echter, mit seinen Fingern zu jedem Song mit. Am Küchentisch, im Auto auf dem Lenkrad. Einmal hat er mir erzählt, dass er sich bei einem bestimmten Song immer vorstellt, im Handschuhfach spiele eine Mariachi Band. Ich weiß nicht mehr welches Lied das war, in unserem Handschuhfach ist aber auch einfach kein Platz. Dort liegt die Autofahrmusik.


Musik nimmt großen Raum in meinem Leben ein. Allein über die Arbeit. Ich glaube diesen Punkt fand mein Dad recht cool. Ab und an profitierte er nämlich davon. Gästeliste war das Zauberwort. Leisten hätte er sich Konzerte wohl nicht immer können wollen. So konnte er. Roger Waters sehen, Status Quo, mehrfach, auch die Stones hätte ich ihm noch(mal) gegönnt. The Undisputed Truth hätte er angesichts des Namen gebenden Titels für das heutige blind date tatsächlich sehr wahrscheinlich nicht im Sinne gehabt. Hatte ich auch nicht. Unsere Version war den Temptations geschuldet.


Happy Vatertag. Der erste ohne.


And when he died, all he left us was alone







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