Honigdieb und Honeymoon

Was verbindet Ihr mit dem Wort Honig?


Meine ersten Assoziationen sind Honigdieb, Honeymoon & Imker Klaus. Der Honigdieb ist ein Restaurant, an dem wir auf dem Weg zum Strand auf dem Darß immer vorbeikommen, aber noch nie eingekehrt sind. Honeymoon dürfte zumindest allen ein Begriff sein, die Filme übers Heiraten gesehen haben oder sogar selbst geheiratet haben. Naja und Imker Klaus ist so ziemlich der coolste und härteste Typ, den ich kenne und mein Gartennachbar von gegenüber.


Seit wir den Garten haben und Imker Klaus & seine wunderbare Freundin Flocke & deren megacoolen Hund Sam kennen, haben wir keinen Honig von ausserhalb unserer Kleingartenanlage an unseren Gaumen gelassen. Warum sollten wir auch? Die Bienen tummeln sich in unserem Garten, tollen wie Dullhörnchen durch die Blüten und liefern dann fein direkt gegenüber wieder ab. In diesem Honig steckt also ganz viel unser Garten! Und das schmeckt man doch auch. ;)


Ab hier stellt Euch bitte auf einen längeren Beitrag ein, das ist keine Geschichte, die schnell mal so erzählt ist.



Sagen wir es mal so, ich bin entspannter geworden, was Insekten grundsätzlich und Bienen im Besonderen angeht, seit ich Klaus kenne, denn dieser Mann imkert komplett ohne Schutzbekleidung! Noch dazu, je nach Wetterlage, gleich mit nacktem Oberkörper. Er sagt, Schutzkleidung ist einfach nicht nötig. Überhaupt hat er mir eine ganz bestimmte Imkerphilosophie vermittelt. Eine sehr entspannte und vor allem bienenorientierte Haltung.


Als ich kürzlich mit einer Freundin, die Veganerin ist, über Ernährung sprach, erzählte sie mir, dass sie Freunden inzwischen sagt, sie sollen bitte nichts zu Essen mitbringen oder wenn sie irgendwo eingeladen sind, würden sie inzwischen lieber selber für alle was Leckeres mitbringen, denn irgendwie haben die Leute einfach nicht auf dem Schirm, wie weit "vegan sein" reicht.


Ich gebe zu, ich hätte das jetzt so auch nicht auf dem Schirm. Das Honig z.B. gar nicht vegan sein kann, weil Insekten Tiere sind und für dieses Produkt sorgen, soweit reichten meine Gedanken nicht. Aber es ist ja nunmal so. Dieser Freudin jedenfalls erzählte ich von Imker Klaus. Wurde direkt aber unterbrochen, denn Imker sind böse Menschen. Zur Förderung der Produktivität würden der Königin die Flügel ausgerissen, so dass sie nicht mehr fliegen kann. Das ist in der Tat nicht gerade am Tierwohl orientiert. Ich hatte mir über sowas bisher keine großen Gedanken gemacht, war aber gleichzeitig sehr froh, dass ich kürzlich Klaus bei seinen Imkertätigkeiten über die Schulter schauen konnte. Ich konnte sehr guten Gewissens sagen, nicht bei Imker Klaus! Die Königin dort lebt, wie es sich gehört in Saus und Braus und mit allen Körperteilen. Die will da gar nicht weg.




Ein profanes Gitter verhindert, dass die Königen aus der unteren Etage in die mittlere Etage wandert und das sollte doch auch bei anderen Bienenstöcken möglich sein so oder so ähnlich umzusetzen. Alles eine Frage des Wollens! Was man allerdings nicht so gern möchte, sind mehrere Königinnen, da kommt so ein Volk nämlich nicht drauf klar und würde sich zur Not aufteilen und auswandern. Daher werden normalerweise die Nistwaben von Königinnen, die man sehr gut erkennen kann, abgeschabt, denn so verhindert man ein unkontrolliertes ausschwärmen. Manchmal ist es aber durchaus gewünscht und zwar dann, wenn man ein weiteres Volk etablieren möchte.





'Achso, bevor ich es vergesse mal eben zwischendurch Folgendes: ich bin ja nicht vom Fach, bitte seht es mir nach, sollte eine Formulierung hier mal nicht so sitzen, wie sie könnte. Ich versuche in erster Linie alles so einfach und unterhaltsam wiederzugeben, was ich bei Klaus übers imkern gehört habe, damit Ihr Bock habt darüber mehr zu erfahren.`




Zurück zu den Völkern. Klaus hatte zwei, als ich meinen Imkervormittag bei ihm verbrachte und ein paar Tage später dann drei, weil sich ein Schwarm aufgemacht hatte die Welt zu erobern. Ich war leider zu der Zeit nicht selbst im Garten anwesend, meine anderen Gartennachbarn riefen mich aber an und erzählten mir, dass der Himmel über unseren Gärten für ein paar Minuten dunkel wurde und das summen, sagen wir mal, infernalisch, war. Der Schwarm ließ sich, wie von Klaus prognostiziert, in einem Umkreis von maximal 30 Metern im Apfelbaum von Gartennachbarn nieder und hing als sehr, sehr große Traube dort ein paar Stunden rum.


Klaus installierte fix einen weiteren Bienenkasten mit etwas Nahrung dort und am nächsten Tag war die offenbar eher flugfaule Königin einigen ihrer Kundschafter gefolgt und hatte den Kasten bezogen. Der größte Teil vom Volk folgte ihr umgehend aus dem Baum und ein kleinerer Teil, vielleicht noch so ca. 3000 Bienen, wie Klaus schätzte, schwärmte weiter aus. Vermutlich sind sie später sogar zum ihrem alten Volk zurückgekehrt. Auch 3000 Bienen sind übrigens schon ein beachtliches Phänomen, aber eben nur ein kleiner Teil eines Volkes.


Ungefähr 35.000 bis 50.000 Bienen umfassen die Völker von Klaus jeweils. Das Schöne ist, bei uns in der Zeile gärtnern die meisten sehr bienenfreundlich und auch chemiefrei. Der Honig, den Klaus produziert, hat also eine ganz hervorragende Qualität.


An dem Tag, als ich dort ganz nah an die Bienen dran durfte, hat Klaus den ersten Honig der Saison gefördert. Er hat den aus drei Stockwerken bestehenden Bienenstock nacheinander auseinander genommen. Erst die obere Etage, auf der mittleren hat er die überzähligen Königinnenbrutkammern abgemacht, ebenso den bereits begonnenen "Wildbau".

Das sind ungefüllte Anbauten aus Wachs, die dann bei Zeiten von den fleißigen Bienchen gefertig wurden, weil der Platz in den eigentlich dafür vorgesehenen Rahmen knapp wurde.




Die ganze Zeit übrigens haben wir mit den Bienen ohne jegliche zusätzliche Schutzkleidung verbracht. Die einzigen Werkzeuge, die Klaus immer wieder einsetzte, waren der Smoker, damit steuert er im Prinzip die Bienen. Auch um die Rahmen freizubekommen, denn an die muss er ran, dort findet man das flüssige Gold. Dazu kommt auch so eine Art Spachtel zum Einsatz, den nutzt man, um die Rahmen aus dem Stock zu ziehen und für die diverse andere Aktionen. Aber man braucht eben nur dieses eine Ding. (An dieser Stelle habe ich übrigens inzwischen für die Schreiberei ein ganzes Fussballspiel gebraucht und bin noch nicht am Ende)

Je nachdem wird die vordere oder hintere Werkzeugfunktion genutzt. Auf der einen Seite so eine Art Haken, auf der anderen eben dieser Spachtel.


Wenn man den Rahmen dann rausgenommen hat, merkt man schon am Gewicht, wie fleißig die Bienen waren. Der Rahmen ist richtig schwer und dabei werden die Rahmen von aussen nach innen immer schwerer. Und ab hier beginnt irgendwie auch erst die eigentliche Action.

Das weiße Zeug da auf dem Rahmen sind sogenannte Deckelchen. Die werden mit dem Rakel abgeschabt und darunter befindet sich der Honig, das flüssige Gold!

Da wo kein Deckelchen drauf ist, ist trotzdem Honig drin, seht Ihr am Glanz in den Waben.



Jetzt nimmt Klaus einen frischen Rahmen und setzt diesen dann wieder in den Stock ein, damit die fleißigen Bienen weiter so fleißig sein können, wie bisher. Links seht Ihr den neuen Rahmen, rechts einen gebrauchten, der geleert wurde. So lange die noch einigermaßen gut in Schuss sind, kann man die Rahmen getrost mehrfach verwenden.


Ab und an, wenn die Rahmen nicht mehr wiederzuverwerten sind und wir gerade ein Feuerchen machen, steuert Klaus die Rahmen bei und der Wachs und das Holz verbrennen in einem ganz eigenen, wunderbaren Duft.


Ab hier ist mein Abenteuer mit den Bienen auch schon fast vorbei, denn der Vorgang wiederholt sich jetzt für einige Stunden, Rahmen für Rahmen wird aus dem Kasten geholt und auf die gleiche Art und weiter bearbeitet. Nachdem die Deckelchen runtergeschabt wurden, kommt der Rahmen in die Schleuder. Der Honig wird aus dem Rahmen rausgeschleudert und im Anschluss in die Gläser abgefüllt. Ca. 60 Gläser kann Klaus von einem Volk gewinnen, einen Tag Arbeit muss er dafür kalkulieren.


Ich habe hier zum Probieren den allerallerersten Honig der Saison bekommen. Es war nur ganz wenig, aber der Himmel auf Erden. Der Honig ist noch richtig hell. Zur Mitte der Rahmen hin wird der Honig dann dunkler. Auch die Art der Blüten beeinflussen die Farbe vom Honig im Laufe des Jahres, Sommerhonig ist schon deutlich farbintensiver und der letzte Honig im Jahr ist oft richtig dunkel, wie dunkler Bernstein.


Weil ich den Blogbeitrag mit weiteren Bildern nich noch mehr in die Länge ziehen möchte, könnt Ihr Euch hier durch alle Bilder klicken, die ich in Sachen Biene für Euch aufgenommen habe.



Das letzte Bild der Diashow ist übrigens nicht von mir, sondern von Klaus. Ein paar Tage nachdem ich ihn besucht habe, bekam er Besuch von einer Kindergartengruppe. Die kleinen Stöpsel hatten herrliche selbstgemachte Imkeranzüge an, denn sonst hätten sie sich vermutlich auch gar nicht so nah wie Klaus an die Bienen rangetraut. Er fand es so großartig und auch, dass es in meinen Bienenartikel auf jeden Fall reingehört.


Ich finde dieses Bild so wunderbar und hoffe, dass durch Besuche bei Imkern wie Klaus schon bei den Kleinsten ein Bewußtsein dafür geschaffen wird, wie wichtig Insekten, insbesondere Bienen, für uns sind.


Mal abgesehen von der Leckerei Honig, was glaubt Ihr, wie viele Artikel es ohne Bienen gar nicht geben könnte oder nicht in dem Maße, wie wir es jetzt gewohnt sind? Eine deutsche Supermarktkette hat kürzlich dieses Experiment gewagt und alle Produkte aus den Regalen genommen, die es ohne irgendein Zutun von Bienen nicht geben würde.


Ich hoffe Ihr hattet Spass an dem Artikel, auch wenn Ihr viel mehr lesen musstet, als Ihr es sonst von mir gewohnt seid. Lasst es mich gern wissen unter sandra@beetkultur.de oder bei @beetkultur bei instagram und twitter.


Ach und nicht zu vergessen, ohne Klaus, der mich zu meinem Bienenabenteuer eingeladen hat, gäbe es ja diesen Artikel gar nicht. Also gilt mein besonderer Dank meinen besonders lieben Gartennachbarn Klaus, Flocke und Sam!


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