Die Besenheide - ein besonderes Pflanzenportrait

Kürzlich meinte ein sehr guter Gartenfreund, nachdem ich stolz auf meine Neuanschaffung – eine, wie ich fand, bildschöne Besenheide - zeigte, dass er die nicht mag und Heide eine Friedhofspflanze sei. Auch als ich eine andere Heidesorte in einen Blumenkübel außerhalb des Gärtchens neben eine Bank pflanzte, waren die Kommentare ähnlich, altbacken sei sie und die könne doch nichts.

Besenheide

Ja, die Geschmäcker sind verschieden, aber es geht hier nicht nur um unseren guten Geschmack. Forscher haben nämlich vor gar nicht allzu langer Zeit in einer Studie herausgefunden, dass Heide wichtig für die Darmgesundheit von Hummeln und Wildbienen ist.


Sogenannte Pflanzen-Phytochemikalien können als natürliche Medikamente für Tiere gegen Parasiten wirken und es sind bereits einige Nektar-Metaboliten bekannt, die Parasiteninfektionen bei Bienen & Hummeln reduzieren. Deswegen ist eine abnehmende Pflanzenvielfalt durch zum Beispiel einseitige Bewirtschaftung von Ackern und die damit einhergehenden Landschaftsveränderungen so gefährlich für Insekten. Auch der menschengemachte Klimawandel. Das Problem ist aber, dass es derzeit noch nicht viele Studien gibt, die diese Zusammenhänge näher untersucht haben.


Ein Forscherteam aus Groß-Britannien, zu sehen in dem folgenden Videobeitrag, hat sich hier einem ganz wichtigen Thema verschrieben und einen neuartigen Test entwickelt um Pflanzen mit dem höchsten Potenzial als natürliches Arzneimittel schnell zu identifizieren. Wenn sich nämlich die Verfügbarkeit von natürlichen, medizinisch wirksamen Nektarpflanzen für Bestäuber verringern, kann das den ohnehin bereits dramatischen Rückgang der Insektenvielfalt weiter verstärken.

Die Forscher haben 17 wichtige Nektarpflanzen gegen das Hummelpathogen Crithidia Bombi untersucht. Und Taadaa, falls Ihr Euch bereits wie im Biounterricht gefühlt habt, hier schlagen wir endlich die Brücke zurück zur unbeliebten, altbackenen Friedhofspflanze aus meiner Einleitung.

Makroaufnahme einer Besenheide von oben

Die bioaktivste Art war Heidekraut (Calluna vulgaris), als zweitproduktivste Nektarpflanze Groß-Britanniens, die in ganz Europa ja auch weit verbreitet ist. Aus dem Heidekrautnektar extrahierte Callunene sind ein äußerst potenter Inhibitor von Crithidia Bombi. Wildbienen und Hummeln nehmen offenbar eine so hohe Konzentration Callunene mit dem Nektar auf, dass damit eine vollständige Hemmung von Crithidia Bombi bewirkt werden kann. Im Test wirkte die Fütterung mit Callunenen wie eine Art Impfschutz prophylaktisch gegen Infektionen. Die Studie kommt zu folgendem Schluss: Da Heidekraut eine wichtige Futterpflanze für europäische Bienen ist, ist sie auch sehr wahrscheinlich von großer Bedeutung für die Dynamik von Bienenkrankheiten. Ein anhaltender von Menschen verursachter Rückgang von Heideflächen führt zum Verlust einer der wichtigsten Heilpflanzen für Bestäuber.


In Europa und angrenzenden Verbreitungsgebieten sind ca. 20 unterschiedliche Heidearten in der Wildnis heimisch. Über 800 weitere finden sich im afrikanischen Raum, allerdings sind diese nicht an kalte Temperaturen und Frost angepasst, so dass sie im Mitteleuropäischen Raum nicht ausdauernd im Freien wachsen.

Makroaufnahme einer Besenheide

Eine davon ist meine Besenheide, eben jene Insekten rettende Calluna vulgaris. Heide wird in etwa 10.000 Sorten mit sehr unterschiedlichen Blütezeiten und Färbungen der Blüten und Blätter kultiviert. Nicht alle sind für Insekten geeignet. Ursprünglich ist die Besenheide in Deutschland und Mitteleuropa zu Hause, aber auch in den Bergen Afrikas zu finden. Sand- und Moorböden liebt sie und sie steht gern in voller Sonne. Ich weiß, dass sie auch mit Schatten klarkommt, aber natürlich bevorzugt sie ein eher sonniges Plätzchen im Garten. Viele Regionen sind nach diesem schönen Zwerggehölz benannt, wie etwa die Lüneburger Heide. Auch die Rostocker Heide verdankt ihren Namen unserer Wildbienenretterin.


Übrigens, die Besenheide sollte auf keinen mit einer aus ihr gezüchteten Variante, der Knospenheide verwechselt werden. Diese ist nämlich aufgrund ihrer geschlossenen Blüten keine Bienenweide und dafür mehr als ungeeignet.

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist und Heide in seinem Garten einen Platz einräumen will: Jetzt, von September bis November, ist eine sehr gute Zeit, um Heidekraut zu pflanzen. Aber auch im Frühling von März bis Mai ist noch ein guter Zeitraum. Im Herbst gepflanzte Heiden können im Frühjahr etwas zurückgeschnitten werden. Mit dem Rückschnitt wird der Neuaustrieb angeregt und die Pflanze wird fülliger. Nach dem Rückschnitt darf dann auch mal gedüngt werden: Ein Esslöffel Hornspäne pro Pflanze reicht hierbei völlig aus. Glockenheide muss allerdings nicht zurückgeschnitten werden. Schwere Böden sollten für Heide mit Sand aufgelockert werden, der Boden kann nährstoffarm sein und sollte möglichst kalkarm sein. Daher Heide bitte auch ausschließlich mit Regenwasser gießen, sollte es, in langanhaltend trockenen Phasen nötig sein. Das hiesige Leitungswasser ist oft zu kalkhaltig. Heiden sollten auch auf keinen Fall richtig austrocknen, das vertragen die Pflanzen nicht und vertrocknen am Ende ganz. Staunässe mögen die Pflanzen auch nicht, in Kübeln gepflanzt muss auf eine gute Bewässerung & Drainage geachtet werden.


Früher hat man aus dieser Heideart unter anderem Kehrbesen gebunden, daher auch ihr Name: Besenheide. Heute wird sie auch noch zur Firstverkleidung von reetgedeckten Dächern verwendet. Aufgrund ihrer starken Haltbarkeit wird sie im Außenbereich auch zu Sicht-, Wind- und Lärmschutzzäunen zusammengebunden. Die Besenheide trotzt vielen Witterungsverhältnissen und bleibt daher über lange Jahre beständig.


Bei der Besenheide handelt es sich um eine Staudenpflanze, die eher niedrig wächst und zwischen 20 - 50 cm groß wird. Selten gibt es Sorten, die bis 1 m hoch werden können. Calluna vulgaris wurde von Richard Anthony Salisbury aus der eng verwandten Erica gezüchtet. Der Gattungsname stammt vermutlich vom griechischen Wort kallyno, was so viel wie reinigen oder fegen bedeutet, der spezifische Beiname vulgaris ist das latainische Wort für gewöhnlich. Oft wird die Besenheide als Sommer- oder Herbstheide bezeichnet, um sie von den eher im Frühjahr blühenden Heiden abzugrenzen.


Die Besenheide wurde 2019 zur Blume des Jahres gekürt. Völlig zu Recht, wenn Ihr mich fragt. So eine vielseitige, hübsche und überaus nützliche Pflanze. Noch dazu ist sie immergrün und Farbklecks auch dann, wenn viele andere Pflanzen nur noch ein schmutziges Braun im Beet zu bieten haben.


Ich hoffe ich konnte Euch die Besenheide jetzt so richtig schmackhaft machen. Für die Insekten ist sie jedenfalls bis in den milden November hinein ein wichtige Nektarquelle und die will ich doch gern anbieten. Vielleicht kann ich mit diesem Wissen jetzt auch meine Gartenfreunde überzeugen, damit sie die Heide mit anderen Augen als bisher betrachten. Was meint Ihr?

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