Ich bin soviel Freizeit doch gar nicht gewohnt!

Es ist nämlich so, ich bin beruflich Eventmanagerin. In einem früheren Dasein, welches ziemlich genau am 12. März sein Ende fand, habe ich viel, sehr viel gearbeitet und oft wenig, viel zu wenig Zeit für den Garten gehabt. Den Garten brauchte ich, damit ich einen Ausgleich, zu dieser höher, schneller, weiter Ideologie, im Job schaffen konnte.


Und während ich seit Januar Nachrichten über ein neuartiges Virus aus China zwar kritisch beäugte und mich schon wunderte, ahnte ich doch nicht ansatzweise, was da auf uns zukommen würde.

Seit März also arbeite ich nämlich aus bekannten Gründen nur noch sehr, sehr wenig in meinem Beruf. Vor allem im Vergleich zu vorher und dafür habe ich jetzt sehr, sehr viel Zeit für den Garten. Den Garten brauche ich auch, damit ich einen Ausgleich zu dieser verrückten Welt, in der wir inzwischen leben, schaffen kann.


Mein kleines geliebtes Ökosystem - unser geliebtes Ökosystem, ich bin ja nicht allein, neben mir gibt es den weltallerbesten Mann. Dieser Mann hat oft wunderbare Ideen, die ich natürlich nie auf Anhieb zu schätzen weiß ;) und die sich hinterher aber immer als super erweisen. Ich bin halt nicht so ein Freund von Veränderungen, und jetzt lebe ich in einer massiven Veränderung, die einfach jeden in irgendeiner Form betrifft. Aber es ist halt gerade für niemanden leicht.


Ein Fazit bisher aus dieser verrückten Zeit, in der wir inzwischen eine Art Normalität schaffen: Ich weiß nicht, ob ich jemals wieder so arbeiten kann wie vorher, auch wenn ich nach wie vor der Meinung bin, dass ich immer sehr gern gearbeitet habe. Die Umstände von Arbeit, die waren halt nicht immer ideal, das sind sie wohl kaum irgendwo, daher: grundsätzlich habe ich wirklich sehr gern gearbeitet und ich vermisse auch Einiges aus meiner Arbeitswelt. Ich mochte es auch das Geld zu verdienen, mir davon was zu leisten und dazu gehört auch der Garten. Dennoch liebe ich es mehr Zeit zu haben. Es gibt mir mehr Lebensqualität, die mir auch das Tragen von Masken oder der erzwungene Abstand zu Menschen, die man eigentlich nur zu gern in den Arm nehmen möchte, nicht verleiden kann. Das lässt sich alles ertragen.


Dieses Jahr ist also alles anders für alle und doch hat sich bei mir nur eines so richtig geändert. Ich konnte & kann viel mehr Zeit mit und um das Gärtchen verbringen. Ich habe Folgekulturen ausgesät, gepflanzt und anlegen können. Mir ist nichts eingegangen, weil ich nicht wie in den Jahren zuvor nicht zum gießen kam, als es mal heiß und trocken wurde. Ich konnte Mehltau und Blattläuse rechtzeitig und schnell bekämpfen. Vorher sind diese Pflanzen auch mal dem Umstand zum Opfer gefallen, dass sie zu lange mit der Plage leben mussten, weil ich neben der normalen Bürozeit und abendlichen Veranstaltungen nicht geschafft habe mich frühzeitig zu kümmern. Das ist alles wirklich schön. Dennoch hoffe ich, dass aus dieser ganzen Scheiß - ja ich nenne es ganz deutlich beim Namen, denn so ist es - eine Welt hervorgeht in der beides möglich ist: Geld verdienen für Arbeit und genug Zeit für das Leben, die Liebe und den Garten.


Ich hoffe, dass es Möglichkeiten geben wird, dass man wieder unbeschwert auf Veranstaltungen gehen kann, dass man keine Angst haben muss, da hinzugehen. Dass man Kultur aller Art live erleben kann. Auch damit ich das machen kann, was ich eben neben dem Garten sehr liebe und vermisse. LIVE ist einfach was ganz Besonderes. Das lässt sich ebenso nicht ersetzen wie Garten und Natur. Digitaler Garten geht einfach nicht. Kennen wir doch eigentlich zur Genüge aus dem Winter, wo man nicht so viel Zeit im Garten verbringen mag. Man hangelt sich von Gartenbuch zu Gartensendung und es ist doch nicht ansatzweise das Gleiche. Ich bin so viel Freizeit am Ende doch gar nicht gewohnt!

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