Liebstöckel - ein etwas längeres Pflanzenportrait

Ich habe vorhin ein paar Zweige Maggikraut geerntet, weil ich heute gefragt wurde: „was mache ich da eigentlich mit?“ Seitdem duften meine Finger dezent als hätte ich sie in Maggi gebadet. (Bitte hinterfragt nicht, ob das Baden von Fingern in Maggi überhaupt Sinn macht).



Kein Wunder jedenfalls, dass Liebstöckel auch Maggikraut genannt wird. Soweit ich weiß ist diese Gemeinsamkeit aber eher zufällig, denn in Maggi ist Liebstöckel, meiner Kenntnis nach, nicht enthalten.


Fest steht, beides macht sich in diversen Suppen & Eintöpfen sehr gut. Seit ich allerdings Maggikraut im Garten habe, würze ich allerdings meine Suppen oder Eintöpfe gar nicht mehr mit der berühmt-berüchtigten Flüssigwürze. Ich koche einfach einige Blätter oder einen kleinen Stengel ein paar Minuten mit. Seitdem koche ich natürlich die bestgewürzten Eintöpfe und Suppen. Das Lob dafür kann allerdibgs nicht mir gelten, das Maggikraut ist in charge.


Da Geruch und Geschmack recht intensiv sind und die Liebstöckelpflanzen mit über 2 m unverhältnismäßig groß werden, hat man im Frühsommer meist schon viel zu viel davon.


Was also damit machen?


Vor allem haltbar machen für den Winter, wäre mein Tip. Denn da ist ja wohl erstmal Hauptsuppenzeit und auch sonst finde ich, passt Liebstöckel in erster Linie zu herzhaften, deftigen Speisen auch zu mit Fisch und Fleisch.


Grundsätzlich kann man aber auch Tomatensalate oder grüne Salate aufmotzen.


Zum Würzen können tatsächlich alle Pflanzenteile verwendet werden, auch die Wurzel. Diese dann getrocknet und gemahlen oder gerebelt. Das Gleiche gilt für die Samen.


Frisch ist das Aroma von Liebstöckel aber am intensivsten. „Haltbar machen“ kann man ihn auf verschiedene Arten.


Beim Einfrieren verliert er leider recht schnell das Aroma und wird beim Auftauen auch ziemlich matschig. Ich habe dennoch ganze Stiele direkt so, wie sie waren, eingefroren und beim Kochen dann wie die frischen mitgekocht. Da ich die matschigen Stengel ohnehin aus dem Essen fische, bevor ich serviere, merke ich da kaum einen Unterschied. Man kann die Blätter auch kleinhacken und in kleinen Portionen, z.B. in Eiswürfelportionierern, einfrieren. Dann braucht man nix rausfischen.


Besser ist es aber wohl die Stängel mitsamt Blättern zu trocknen. Hierfür hängt man die kleinen Sträuße einfach zum trocknen auf. Er brauch nur ca. bis 48h bis er gut angetrocknet ist. Natürlich könnt Ihr auch ein Dörrgerät oder den Backofen nutzen, aber so an der Luft reicht meiner Meinung nach völlig aus und ist auch ökologisch die charmantere Weise.



Weitere Möglichkeiten sind Liebstöckel-Essig oder Liebstöckel-Öl. Beides habe ich noch nicht gemacht und würde den Versuch auch ehrlich gesagt anderen überlassen. Wobei als Öl, warum nicht? Ich bin persönlich allerdings nicht so ein Fan von Essig. Ist alles Geschmacksache, diese beiden Varianten wären aber vermutlich ziemlich gute Salat-Partner. Gelesen habe ich, dass Tomate-Mozzarella-Salat sehr gut mit frischen Liebstöckel, statt Basilikum, angerichtet werden kann.


Wir haben das Kraut kleingehackt gerade zu Abend in einem Kartoffel-Ei-Würstchen Gericht (Bauernfrühstück am Abend) eingesetzt, man muss aber wirklich recht sparsam damit umgehen. Es ergänzte sich wirklich gut mit dem Ei, ist aber an sich ziemlich dominant. Weniger ist hier also eindeutig mehr.


Vorstellen kann ich mir noch, dass man es auch als Pesto verarbeiten und getrocknet und Kleingehackt in Frischkäse einrühren kann. Ich werde beides die Tage testen und dann berichten.


Kurz noch zum Anbau:


Meine Pflanze steht im Kräuterbeet. Es gibt kein Kraut was von mir mehr ignoriert wird und trotzdem (oder gerade deswegen?) wächst es wie nichts Gutes. Wie einleitend bereits erwähnt, wenn die Pflanze genug Platz hat, wird sie über 2 m hoch. Check, dem ist so...! Ich habe den Liebstöckel jetzt im 5. Jahr am gleichen Platz. Er wurde bisher nie gedüngt und wie gesagt auch sonst eher vernachlässigt. Es kommt sehr gut damit und auch mit Trockenheit zurecht, wenn sich das große Welken einstellt, schneide ich die welken Triebe runter. Die Bienen und Hummeln lieben ihn. Wanzen und anderes Käfergetier ebenso und Schwebfliegen habe ich auch schon an ihm gesichtet.



Man kann Liebstöckel am Besten im Sommer, auf jeden Fall nach den Eisheiligen, direkt an seinem zukünftigen Standort aussäen. Wenn man möchte aber auch im Gewächshaus oder auf der Fensterbank vorziehen und später auswildern. Im Topf kann er auch bleiben, dort wird er natürlich nicht so groß, aber auch vielleicht nicht so alt. Mehr als eine Pflanze davon im Beet bzw. im Garten zu haben, ist nicht unbedingt zu empfehlen. Man kommt mit dem Verbrauch nämlichwirklich nicht hinterher.


Einiges von dem, was ich gerade aus meiner Erfahrung berichte, widerspricht übrigens einigen Pflanzen- und Gartenratgebern. Mein Rat: Beobachtet Eure Pflanzen am Besten grundsätzlich genau, sollte irgendwas nicht passen, werden sie Euch das zeigen. Dann solltet Ihr vielleicht doch mal düngen oder den Standort ändern. Jeder Garten ist anders und jede Pflanze ein Individuum.


Was macht Ihr denn so mit Liebstöckel und wie konserviert Ihr das Gewürz am Liebsten?

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